Empirische Kommunikationswissenschaft
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Verbreitung und Austausch von Nachrichteninhalten im Social Web – Interaktion zwischen massenmedialen und interpersonalen Kommunikationsformen.

Teilprojekt 1 der Forschergruppe 1381 „Politische Kommunikation in der Online-Welt“, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Projektmitarbeiter: Brosius, Hans-Bernd
Karnowski, Veronika
Keyling, Till
Datum: 2014-2017
Projektart: öffentliche Förderung

Im Zentrum dieses Teilprojekts stand in der ersten Förderperiode die Frage nach den Konsequenzen des Medienwandels für politische Thematisierungsprozesse. Am Beispiel der Videoplattform YouTube wurde gefragt, wie sich die Entstehung politischer Agenden durch den Medienwandel ändert und welche Rolle die Nutzer im Prozess dieses kollektiven Gate-keepings spielen. Dabei kamen wir zu dem Ergebnis, dass die Thematisierung von Videoclips auf Nachrichtenwebsites durch deren massenhafte Verbreitung in anderen Plattformen des Social Web bedingt wird, die damit als Vermittler zwischen Videoplattformen und massenmedialer Berichterstattung agieren. Die politische Kommunikation im (Social) Web muss daher als angebotsübergreifender Diffusions- und Austauschprozess verstanden werden, der sich über verschiedene Kommunikations- und Angebotsformen hinweg vollzieht. So konnten wir im Rahmen der Untersuchungen unseres Teilprojekts feststellen, dass eine aktive Partizipation in Form von Kommentaren auf YouTube, gemessen an den Nutzerzahlen, relativ selten stattfindet, stattdessen verlagert sich die Kommentierung von Clips zunehmend in andere Angebote des Social Web, insbesondere facebook.

Unser Ziel für die zweite Förderperiode ist es daher zu untersuchen, wie sich von professionellen Kommunikatoren auf Nachrichtenwebsites publizierte Inhalte im Social Web verbreiten, d.h. von den Usern genutzt und kollektiv gewichtet werden. Dieser Diffusionsprozess führt – je nach Diffusionserfolg des Nachrichteninhalts – zu einer unterschiedlichen Sichtbarkeit des entsprechenden Nachrichteninhalts auf verschiedenen Plattformen. Betrachtet man dies aus der Perspektive der Agenda-Setting-Forschung, so entstehen – aufgrund der unterschiedlichen Sichtbarkeit verschiedener Nachrichteninhalte durch Weiterleitungen und Bewertungen – plattformspezifische Austausch- und Diskussionsagenden der User, welche wiederum im Sinne von Intermedia-Agenda-Setting- bzw. Agenda-Building-Effekten auf die Selektion und Publikation von Nachrichteninhalten durch professionelle Kommunikatoren und damit die originäre Medienagenda zurückwirken.

Da nunmehr die grundlegenden Mechanismen der Verbreitung von Nachrichteninhalten fokussiert werden sollen, liefert die Forschungstradition der Diffusionsforschung/Nachrichten­diffusion den theoretischen Rahmen für die zweite Projektphase. Diese soll dabei sowohl mit Agenda-Setting-Ansätzen verbunden als auch um weitere verwandte Konzepte zu Phänomenen des Social Web aus der Kommunikationswissenschaft (bspw. Social Navigation) und benachbarten Disziplinen (bspw. Cross Pollination) angereichert werden.

Methodisch soll das Vorhaben durch automatisierte Beobachtung der entsprechenden Nutzeraktionen im Social Web und automatisierte und manuelle Inhaltsanalysen der Nachrichteninhalte untersucht werden. Die Nachrichtendiffusionsforschung hat sich bisher ausschließlich mit Themen auf der Ebene von Einzelereignissen auseinandergesetzt. Im Rahmen der zweiten Projektphase wollen wir in zwei Projektbereichen sowohl diese Ebene als auch die Ebene konkreter Subthemen in den Blick nehmen. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen dann zur Erweiterung des vorhandenen Theoriekanons und insbesondere zu einer Integration von Diffusions- und Agenda-Setting-Ansätzen dienen.

Weitere Informationen: www.fgpk.de


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